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OPERNKRITIKEN

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Zwischen Leidenschaften und Verbrechen siegen die Empfindungen

Cavalleria Rusticana und Pagliacci: Eine Premiere, die sich hervorhebt

Essentiell und streng, doch auch voller Spektakel und von großer Intensität wirkt die Regie von Gilbert Deflo. Bedeutend und feinfühlig ist die musikalische Leitung des Dirigenten Lü Jia. Die Interpreten waren José Cura, Giovanna Casella und Svetla Vassilieva.

Der Regisseur Gilbert Deflo hat mit dieser Premiere-Aufführung der 84. Opernfestspiele in der Arena die Lösung zu einem Problem gefunden, denn seine Inszenierung ist gepflegt und zugleich populär, voller Spektakel und streng, gefühlsvoll und klar. Deflo entzieht sich nicht dem Vergleich mit den allzu gefälligen und äußerlichen Aspekten der zwei Opern, sondern fügt sie in eine strenge Vorstellung ein, die jedoch nicht manieriert wirkt, und die er mit einem faszinierenden Gleichgewicht zwischen den szenischen Erfordernissen des Arena-Denkmals und den Besonderheiten einer Dramaturgie voller elementaren Leidenschaften löst.

Süditalien stellt in beiden Opern einen Rahmen dar, und es wird mit archäologischen Symbolen und Interpretierungszauber dargestellt. Die Szenen, frei von denkmalartigen Kulissen, sind von William Orlandi, der auch die effektvollen Kostüme zwischen Folklore und Realismus für die Cavalleria Rusticana entworfen hat. Er hat nur Ruinen eines griechischen Tempels mit zerbrochenen Säulen und hier und da einfache Grundflächen geschaffen. Zwischen diesen Kulissen spielt sich die Tragödie ab, so als wäre man in einem antiken Theater, in dem die Natur überhand genommen hat: Das Symbol dieser Natur ist der seitlich aufgestellt, riesige Olivenbaum, dem allein die Aufgabe zusteht, die schwierige und totalitäre Beziehung zwischen Natur und Kultur darzustellen, der Grundlage dieses Melodramas. Mehr ist nicht auf der Bühne zu sehen: Aus dem Rahmen wird ein Bild, und in ihm bewegen sich mit geometrischer Wesentlichkeit die Darsteller und kämpfen ihre fatalen Leidenschaften aus.

Für die Pagliacci wird nichts an der Szene geändert: Der Rahmen wird hier einfach mit den Karren der Komödianten bereichert, und so kann das Spiel des Theaters im Theater, das Leoncavallo so geschickt bis ins Extremste gebracht hat, in eine Vielzahl von szenischen Flächen aufgeteilt werden, was nicht eine Ansammlung von einfacher Darstellungsfähigkeit bedeutet, auch wenn man - wenn es notwendig ist - mit Farben, Glanzeffekten und grellem Licht spielt, sondern es wird das Theater in seiner reinsten Quintessenz gezeigt, mit der scharrenden und beängstigenden Einfachheit der Darsteller dieser Tragödie der Eifersucht.

Bedeutend ist auch die musikalische Interpretierung. Lü Jia hebt die Musik in einer pünktlich "symphonischen" Art hervor, fern von übertriebenen Leidenschaften, vielleicht auch von jenen "südländischen" Eigenschaften, die ja den Partituren angehören, und erreicht analytische Untermalungen, Besonderheiten in Phrasierung und Dynamik, welche fern von banalen, äußerlichen Ausdrucksformen versuchen, die komplizierte Handlung der dramatischen Erfordernisse im Gleichgewicht zu halten, die von den zwei Komponisten so verschiedentlich dargestellt wurden. Der Verismus des Dirigenten ist nicht trocken und gehemmt sondern geradlinig und sogar rationell.

José Cura ist unter den Sängern natürlich der Publikumsliebling, sowohl in der Rolle des Turiddu als in der des Pagliaccio. Sein Gesang ist sicher, musikalisch, manchmal etwas leidend in den akuten Tönen, doch sein Farbklang ist immer angemessen; die Interpretierung zeigt schmerzliches Gefühlsempfinden und prompten theatralischen Ausdruck. Giovanna Casolla ist in der Mascagni-Oper eine Santuzza mit starker, dunkler und dramatisch ausgeprägter Stimme und einer angespannten und einschneidenden Ausdruckskraft. Carlos Almaguer zeigt einen hochmütigen und grausamen Alfio, stimmäßig sehr markant. Paola Foranasari Patti ist eine schmerzerfüllte und entsetzte Mutter. Rossana Rinaldi ist eine frische, reizvoll überschwängliche Lola.

In Leoncavallos Oper ist Svetla Vassilieva eine lyrische und sinnliche Nedda, die auch dramatisch werden kann. Marco Di Felice ist ein lebhafter und brillanter Silvio. Alberto Mastromarino singt die Rolle des Tonio mit expressionistischer Dumpfheit, missgestaltet im Körper und auch in seinem Gesang, dessen Koloratur er nicht immer kontrolliert. Cristiano Olivieri zeigt sich als Beppe sicher; konzentriert und zusammenhängend der Chor unter der Leitung von Marco Faelli.

Das Publik entsprach einem großen Ereignis. Der Abend war heiß und der Applaus triumphal.

Deut. Übersetzung des Artikels aus der Tageszeitung L'Arena vom Sonntag, dem 25. Juni 2006 Verfasst vom Musikkritiker Cesare Galla
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