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Triumphales
Debüt von Zeffirellis Inszenierung mit nicht ausgewogener
Besetzung und 12000 Zuschauern
Oren
lässt die Juwelen der Arena strahlen
Von
Cesare Galla
Es
scheint, als könnte nichts die einzigartige
und privilegierte Beziehung trüben, die zwischen
der ägyptischen Oper von Verdi und ihrem
Theater par excellence,
der Arena eben. Diese Beziehung wird jedes Mal
durch ein außergewöhnliches Publikum
"gesegnet", und so war es auch gestern
Abend mit den 12000 Zuschauern beim Debüt
der erneut angebotenen Inszenierung von Franco
Zeffirelli. Nichts kann diesen "natürlichen"
Einklang sprengen, diesem einzigartigen Beispiel
von Anpassung eines überaus feinen Meisterwerkes,
das stellenweise sogar künstlich wirkt und
das für ein traditionelles Theater gedacht
war, an eine Bühne, die hingegen eine extrovertierte
und sogar offensichtliche Betonung der Besonderheiten
fordert.
Das ist Verdis Kraft, die Kraft eines totalen,
absoluten Meisterwerkes. Im ersten Akt gibt es
einen symptomatischen, entscheidenden Augenblick,
der das Ausmaß der nachfolgenden Geschehnisse
ahnen lässt: es ist die Szene, in der zum
ersten Mal Radames, Amneris und Aida gemeinsam
auftreten. Die ägyptische Prinzessin, eine
außergewöhnliche Persönlichkeit,
bemerkt Radames' Erregung beim Erscheinen ihrer
äthiopischen Sklavin: das Orchester spielt
die Arie der Aida und die Prinzessin ahnt bereits
alles. Sie wird um den Geliebten bis ans Ende
kämpfen müssen, wird aus Liebe auf ihn
verzichten müssen und niemand wird sich retten
können, auch sie nicht, die einzig Überlebende.
Die Oper entwickelt sich um diesen Kern, um diese
psychologische Verwicklung, die musikalisch mit
erstickter, sogar unterdrückter Spannung
"erzählt" wird. Dennoch kommt das
alles auch in der Arena mit gigantisch-dramatischer
Kraft zum Vorschein.
Dies ist vor allem Daniel Orens Verdienst, diesem
für die Arena-Bühne heute wohl sachkundigsten
Dirigenten, der am besten die Erfordernisse der
Partitur diesem Amphitheater anpassen kann. Er
ist auch der Dirigent, der seit zwanzig Jahren
mit seiner Interpretierung der Aida bedeutende
Zeichen gesetzt hat, der sich weiterhin mit dieser
Partitur auseinandersetzt, ihre geheimsten Stellen
offen legt und unermüdlich den Glanz ihrer
Juwelen zeigt. Ein weiterer Beweis dafür
gab er uns, ad abundantiam, auch bei der gestrigen,
triumphalen Premiere. Oren setzt die Aida zu Recht
in einem kosmopolitisch-stilistischen Kontext,
dessen Pole die melodramatische Tradition der
italienischen Romantik und der extravertiert-dekorative
Geschmack der französischen Grand-Opéra
sind: er hebt diese Gesamtheit mit einer expressiven
Geschmeidigkeit hervor, die man wohl als definitiv
bezeichnen kann. Der Farbklang des Orchesters
wird mit pünktlicher Feinheite kunstvoll
ausgearbeitet, der Klang der Instrumente gewinnt
an Bedeutung während auf der Bühne die
Sänger peinlich genau die wirksamsten und
unmittelbarsten dramatischen Linien folgen müssen.
Das Ergebnis ist ein hoch angespanntes Gleichgewicht,
eine Ausdruckskraft, die unermüdlich nach
der förmlichen Gesamtheit der Partitur geformt
und wiedergeformt wird, mit heißen und leidenschaftlichen
Höhepunkten, lyrischen Öffnungen voll
von unendlichem Zauber, äußerst feiner
Geschmeidigkeit, spektakulärer, magnetisch
eindrucksvoller Momente wie die Ballette und natürlich
der Triumphzug. Im Gegensatz zu anderen Dirigenten,
die in der Arena das Problem überbrücken
müssen, exzellente Ideen praktisch zu verwirklichen,
modelliert Oren seinen musikalischen und interpretatorischen
Gedanken mit meisterhafter Wirkung und erreicht
mit Orchester und Chor der Fondazione die besten
Ergebnisse.
Doch wenn diese Aida in der Arena immer noch bestens
funktioniert, ist das auch der Verdienst von Franco
Zeffirelli, diesem anerkannten Theatermenschen.
Seine klassische Inszenierung ist grandios, doch
über die reichen Szenen hinaus, die außergewöhnliche
Wirksamkeit einer Theatermaschinerie, die alleine
der spektakulären und gepflegten Vorstellung
des florentinischen Regisseurs eines antiken Ägyptens
und dem Melodrama von Verdi genügt, empfindet
man vor allem vibrierend und klar die psychologische
Atmosphäre, die unter den Darstellern herrscht.
Ihre gefühlsvolle Menschlichkeit verliert
sich nicht trotz des Glanzes der sich drehenden,
goldenen Pyramide, der Massen an Statisten, der
eleganten Balletteinlagen, der Lichtspiele, die
alleine schon Spektakel sind. Ihre Ausdruckskraft
tritt voll hervor und löst den "szenischen
Ausdruck" mit klarer Wirkung aus, dies trotz
einiger Ausfransungen, einiger Ungenauigkeiten
in Bewegungen und Gesten, doch das ist wohl ein
Zoll, den man unwillkürlich dem Repertoire
entrichten muss.
Zeffirellis Inszenierung wirkt kompakt, vielleicht
mit einer gewissen Unbeweglichkeit wie ein "tableau
vivant", die jedoch mit Juwelen an Eleganz
bereichert wird, und die bei der gestrigen Premiere
interessante Sänger, wenn auch nicht gerade
ausgewogen, vorweisen kann. Amarilli Nizza in
der Hauptrolle, die bereits an vielen Abenden
der vergangenen Saison gesungen hat, zeigt ein
Gleichgewicht zwischen einschneidender, dramatischer
Ausdruckskraft (ihr Timbre ist essentiell und
gedrängt) und verführerischem, lyrischen
Liebreiz mit ekstatischen Zusammenhängen
und weichem "Legato" in der Phrasierung.
Neben ihr Pietro Giuliacci als Radames mit aufrichtigen
Gefühlen, weit entfernt vom "Physique-du-role"
und der heroischen Begeisterung, doch mit angemessenem
Glanz; dieser Sänger fühlt sich wohl,
wenn er auf akute Tonlagen steigen oder einen
Ausdruck zwingen muss; oft wirkt er jedoch zu
allgemein in der Phrasierung. Wie bereits beim
ersten Debüt dieser Inszenierung im Jahre
2002, sang auch gestern Marianne Cornetti die
Rolle der Amneris: sie besitzt ein schönes,
bernsteinfarbenes Timbre und eine stilistische
Zugehörigkeit in der Gesangslinie, die sie
jedoch nicht mit einem angemessenen dramatischen
"Schwung" verbindet. Mark Rucker hielt
sein Debüt als Amonasro: sein Gesang ist
rauh, wenig geschmeidig in der Phrasierung und
in der Untermalung der dramatischen Worte; das
Timbre ist jedoch interessant. Giacomo Prestia
ist ein Ramfis mit starker Ausdruckskraft und
guter Stimmlage; Marco Spotti ein pedantischer
jedoch gut auftretender König. Etwas unscharf
Enzo Peroni als Botschafter, genau Nicoletta Curiel
als Priesterin. Nennenswert das einfache und frische
Ballett mit der Choreographie von Vladimir Vassiliev
und den Solisten Myrna Kamara und Giovanni Patti.
Triumphaler Applaus. Ab nächsten Donnerstag
und bis zum 27. August wird die Aida noch 15 mal
aufgeführt.
Deut.
Übersetzung des Artikels aus der Tageszeitung
L'Arena vom 26. Juni 2006 - L'
Arena
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